Schon immer ist David B. ein großartiger Geschichtenerzähler gewesen, ob er nun seine eigene Jugend (L'ascension du haut mal), seine Träume (Le cheval blême und Les complots nocturnes) oder aus dem obskuren Fundus der Mythen aus aller Welt schöpfende, märchenhafte Geschichten (zahlreiche andere Alben) erzählt. In seinem ambitionierten neuen Projekt Par les chemins noirs, von dem er selbst noch nicht weiß, wie viele Bände es umfassen wird und von dem jetzt immerhin schon einmal der zweite Band erscheint, will er die europäische Geschichte zwischen den beiden Weltkriegen in den Blick nehmen, und zwar, wie der Titel schon sagt und wie es bei David B. nicht anders zu erwarten ist, über die "dunklen Wege", über verborgene oder verschüttete Zugänge. Beginnend mit einer Episode in d'Annunzios "Freier Republik Fiume" spannt er anhand einzelner Protagonisten den Bogen von der Aufbruchstimmung der zwanziger Jahre zu den sich zunehmend verfinsternden dreißiger Jahren. Das alles breitet er mit einer an Hugo Pratt gemahnenden ausschweifenden Fabulierlust vor uns aus, illustriert mit seinen unverwechselbaren flächigen, in diesem Fall auch kolorierten Bildern. Man darf gespannt sein, wohin die Mäander dieser großen Geschichte noch führen werden.
jeweils 64 S., HC, 22 x 29,8 cm, € 19,90
1. Les Prologues
2. Les Fantômes