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Wenn bei uns in der Presse ein französischer Comic besprochen wird, zumal wenn es sich dabei noch um ein Album eines so gut wie unbekannten Autors handelt, dann muss es schon ein außergewöhnlicher Band sein. Le goût du chlore von Bastien Vivès widerfuhr diese Ehre - und es ist tatsächlich ein außergewöhnlicher Comic. Dabei passiert auf den mehr als hundert Seiten nicht viel, und das auch noch fast ausnahmslos an einem einzigen Ort, einem etwas altmodischen Hallenbad: ein junger Mann geht auf Rat seines Krankengymnasten zum Schwimmen, er lernt dort eine junge Frau kennen, die eine ausgezeichnete Schwimmerin ist und ihm die richtigen Bewegungen beibringt, die beiden treffen sich eine Zeitlang einmal die Woche im Bad. Das war's auch schon beinahe. Bemerkenswert ist, wie überzeugend und zugleich beiläufig der erst 24jährige Vivès diese (Fast)-Liebesgeschichte erzählt. Es wird viel geschwommen, aber wenig gesprochen, es sind eher kleine Gesten, die die Handlung tragen. Noch bemerkenswerter ist die graphische Umsetzung. Die überwiegend in unterschiedlichen Blautönen gehaltenen Flächen kontrastieren mit den hervorragend eingefangenen Bewegungen der Schwimmer, wobei die Szenen unter Wasser sich durch die fehlenden Umrandungen leicht erkennen lassen. Taucht man in dieses Buch ein, hat man fast den Geschmack von Chlor auf der Zunge...
144 S., HC, 19,2 x 27,9 cm, € 22,90 zur Autorenliste Vivès |