Winshluss: Pinocchio

Pinocchio © Les Requins Marteaux Man lasse sich vom opulent-nostalgischen Titelbild nicht täuschen: Diese moderne Fassung der alten Geschichte vom hölzernen Bengel ist ziemlich harter Stoff - dafür steht schon der Name Winshluss. Ohne Zweifel einer der interessantesten und originellsten Vertreter der jüngeren Generation fran-
zösicher Comicautoren, verwandelt er mit beeindruckender Virtuosität den süßlichen Cartoon-Stil früher Disney-Filme oder historischer Kindercomics in einen sehr persönlichen und sehr, sehr dreckigen Strich, in dem er sehr, sehr dreckige Geschichten erzählt. So eine Art Mischung aus den Schlümpfen und Reiser also, außerdem (so The Comics Reporter) "so ziemlich der witzigste Typ der Comicwelt". Die ersten Teile seiner Version der Geschichte von Collodi veröffentlichte er einst in der leider eingestellten Zeitschrift Ferraille illustré (deren Mitgründer und Mastermind er war), und es hat einige Jahre gedauert, bis jetzt endlich die ganze Geschichte als Buch herauskommt. Pinocchio ist hier ein simpler stählerner Roboter, der von einem skrupel-
losen Erfinder in die Welt gesetzt wird, in eine Welt des Zynismus und der Zerstörung. Dabei ist es, wie gesagt, dennoch wirklich lustig, zu sehen, wie meisterhaft Winshluss die über-
kommenen Codes und Klischees malträtiert, um diesen grandiosen - und bis auf einige eingestreute Schwarzweiß-Episoden mit Jiminy Cricket übrigens völlig wortlosen! - Comic zu schaffen.
192 S., HC, 21 x 29 cm, € 39,90
 
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